Gottschalk & Friends
Thomas Gottschalks "Sechzigster" ist abgefeiert, und ich war doch erstaunt und amüsiert zugleich zu erfahren, wer sich denn alles so in diesen Tagen zu seinen "Freunden" zählt und sich in den Medien feiern ließ. Ob echter oder selbsternannter Freund, es sei jedem selbst überlassen. Auch an mich wurde der Wunsch herangetragen, aus den alten Radiozeiten im Bayerischen Rundfunk mit Thomas und "Pop nach 8" zu plaudern, was ich gern getan habe. Auch wir waren damals gute Freunde bzw. Kollegen, als wir 1977 unsere Bürogemeinschaft als festangestellte Musikredakteure mit all unseren Platten und Radioträumen im 3. Stock des BR-Studiobaus begründeten. Brüder im Geiste, vereint in dem Wunsch, dem bis auf den Jugendfunk und seinem populären "Club 16" bis dato doch etwas verstaubten BR frischen Wind einzuhauchen.
Wir fühlten uns damals wie die "Jungen Wilden", unsere Vorbilder waren die Piratensender "Radio Caroline" und "Radio Veronika", "AFN" oder "Radio (lucky) Luxemburg" mit ihren Shows und unvergleichlichen DJs wie Wolfman Jack, Tony Prince und Kid Jensen und seiner populären BBC RadioOne Show: "Jensens Dimensions" . So wollten wir klingen, so wollten wir sein. Geübt hatten wir ja bereits zu Genüge in den Discos der 60er, ich in München, Thomas in Kulmbach. Aber das war gar nicht so leicht umzusetzen, vor allem in Bayern 3, da herrschte noch so etwas wie "Zucht und Ordnung" im Programm, alles seriös und trocken in der Ansage, bloß keine Experimente und ja nicht so locker vom Hocker moderieren.
Dann kam dieser Gottschalk mit seinem "Pop nach 8", alles war auf einmal anders. Die Jugend in Bayern hatte endlich ihr eigenes geliebtes und gelebtes Radio, eine Musik, fern von vorgegebenen Playlists, ein neuer, bisher unbekannter frischer und frecher Moderationsstil kam da aus dem Äther in die Wohnzimmer, die Eltern hockten vor der Glotze und sahen die „Tagesschau“. Die Jungen zogen sich in ihre Zimmer zurück und schalteten "Pop nach 8 - Musik für junge Leute" ein, endlich eine Sendung und eine Sprache in Bayern 3, mit der man sich als junger Radiohörer identifizieren konnte. Mit dem Erfolg seiner täglichen Sendung, die mit "Disco 2" in Bayern 2 ein Jahr zuvor ihre Testphase erfolgreich durchlaufen hatte, und mit seiner rasch ansteigenden Popularität und Beliebtheit war sein Erfolg nicht mehr aufzuhalten. Damit mehrte sich auch die Zahl der Förderer und Verhinderer im Sender, den letzteren war er zu frech und zu flapsig, sie hätten Ihn am liebsten aus dem Programm gemobbt. Aber letztendlich überzeugte der Erfolg jene Verantwortlichen im Sender, die uns jungen Einsteigern ein Podium schaffen wollten, auf dem wir uns ausprobieren konnten, noch heute sei ihnen dafür herzlich gedankt.
Die jungen Bayern 3 Hörer taten es auf ihre Weise mit zunehmender Radioaktivität. Mit dem "Pop Club" um 14.03 Uhr folgte 1979 alsbald eine weitere Musiksendung in Bayern 3, die mir mit Fritz Egner und Klaus Stürzenberger, zwei weiteren hochmotivierten Nachwuchsmoderatoren, die Möglichkeit bot, junges und vielseitiges Musikradio zu gestalten. Wie es dann weiterging ist bekannt, Bayern 3 veränderte sich in den Jahren und mit dem Programm auch dessen Macher. Ach, was waren es doch für herrliche Zeiten, als das Radio noch zeitlos war und die sogenannten Consulter, sprich "Programm-Berater", am Radiohorizont noch Antennenwelten entfernt waren, um uns dann später in den 80ern mit der Einführung des sogenannten "Formatradios" zu beglücken mit dem ernüchternden Ergebnis der "Gleichschaltung" vieler Radioprogramme bundesweit. Ein Thomas Gottschalk hätte sich in dieser Formatradioszene niemals verwirklichen können. Obwohl er es ja in den 80er Jahren überraschenderweise selbst als Bayern 3-Koordinator eingeführt hatte. Aber er hätte es wohl nie so eng und programmatisch gesehen, wie es sich heute im privaten und öffentlichen Rundfunk in unterschiedlicher Form darstellt, aber auch er hatte seine "Berater" und Freunde.
Ich war und bin doch immer wieder erstaunt zu erfahren, wer ihn denn damals alles so entdeckt und zur Seite gestanden und gefördert hat. Seltsam, ich war ja damals in den 70ern quasi "hautnah" dabei und kenne eigentlich nur einen, auf den das zutrifft: Es war Werner Götze, damals Leiter der "Leichten Musik" im Bayerischen Rundfunk. Natürlich gab es noch weitere Kollegen aus dem unterschiedlichsten Redaktionen und Ebenen im Haus, die seine Art schätzten und ihn entsprechend unterstützten. Aber nach all den Jahren und nachdem seine Popularität natürlich auch durch seine TV-Aktivitäten immer größer geworden war, da waren dann seltsamer Weise fast alle seine Entdecker und Freunde, auch seine Kritiker von einst. Entsprechend gerne sonnte man sich auch im sogenannten Freundes- bzw. Kollegenkreis im Schein des Sonnyboys Thommy, das war gelegentlich sehr nützlich für die jeweilige Karriere und das persönliche Ego.
Sicher, auch ich gehörte einmal dazu, es war eine spannende und aufregende Zeit die ich nicht missen möchte, aber mir war das immer etwas suspekt und ich hatte andere Pläne. Inzwischen hat sich viel verändert, auch Thomas Gottschalk, er hat sich entfernt, Lichtjahre von damals, aber eins ist ihm dennoch geblieben, sein "Göttlicher Schalk", er ist und bleibt mit seiner Art der "ewige Stenz" bei "Wetten Das", mit Sitz in Hollywood, wenn auch etwas in die Jahre gekommen, wie wir alle von damals. Deswegen möchte ich ihm als alter Radiokumpel und Spätsechziger doch im Nachhinein etwas mit auf den weiteren Lebensweg geben: Rechtzeitig loslassen, wenn Dir das gelingt, dann kannst Du gelassen in die Swinging Sixties gleiten, ganz im Sinne unserer geliebten Beatles: "Will you still need me, will you still feed me, when I'm Sixty Four"!
Willkommen im Club der 60er: Too old to Rock'n'Roll, too young to die!
BEATLES IN TAHITI

4.8.2010
Liebe Freunde,
passend zur Urlaubszeit hat Dominik Schott ein kleines Beatles-Ferien-Special geschrieben. Und ich habe im Netz zwei seltene Fotos dazu gefunden.
Viel Vergnügen und Good Day Sunshine,
Thomas Kraft
FOREIGNER: JUKE BOX HERO
Beatlemania!

1. Auflage 2010, ca. 140 Seiten, mit über 100 Fotos, Dokumenten u. Faksimiles
ISBN: 978-3-7844-3221-2
19,95 EUR D / 20,60 EUR A / 34,50 CHF (UVP)
LangenMüller
Als sie noch live auftraten, wurden sie von ihren Fans in einem Maße verehrt, wie es keiner anderen Popgruppe je zuteil wurde. Der Kult um die vier Jungs aus Liverpool hält bis heute ununterbrochen an. Die Beatles haben die Musik revolutioniert und die Menschen begeistert. Die Beatles und ihre Fans – das ist ein seit damals andauerndes Liebesverhältnis, fast schon eine Weltanschauung. In diesem aufwändig und liebevoll gestalteten Album wird diese besondere Beziehung dokumentiert – mit vielen raren, zum Teil unveröffentlichten Fotos und Texten. Ein Buch von Fans für Fans.
Mit Texten von Horst Fascher, Lisa Fitz, Chuck Hermann, Jürgen Herrmann, Chris Howland, Klaus Kreuzeder, Gabriele Krone-Schmalz, Uschi Nerke, Abi Ofarim, Brian Parrish, Helmut Schmidt, Manfred Sexauer, Tony Sheridan, Pete York uvm.
Fotos von Bubi Heilemann, Werner Kohn, Ulrich Handl, Rainer Schwanke, Frank Seltier, Günter Zint u.a.


